Sternengucken

Der überwältigende Sternenhimmel jenseits beeinträchtigender Lichtglocken darf keinesfalls unerwähnt bleiben. Er drängte sich uns förmlich auf, sodass nun Begriffe wie Jupitermonde, Saturnringe, Goldener Henkel, aber auch künstliche Erscheinungen wie Iridium Flares und die ISS gerne allen nahe gebracht werden, die uns besuchen.

Ein Muss: Lagerfeuer mit Töpferbrand im August, wenn die Funken des Feuers am Himmel mit den Perseidensternschnuppen zusammentreffen.

Es kam dann 2016, wie es kommen musste und wir haben nun ein Teleskop im Garten sowie einen saubequemen Sessel, in dem man sich durch den Himmel schwenken und neigen lassen kann und der einem ein Fernglas direkt vor die Nase hält. Es gibt seit Mai 2017 eine Beobachtungsplattform mit Wind- und Streulichtschutz zum Dorf hin aufzubauen, also können nun auch Astronomen aller Couleur bei uns die entsprechende Infrastruktur und Begeisterung vorfinden. Nun noch eine Gemeinschaftsarbeit meiner Tochter und mir vom Kometen 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak, den ich an mehreren Abenden sichten konnte. Zeichnung Bleistift, am Computer invertiert:

EPSON MFP image

Berichte einiger Nächte kommen jetzt:

Trabanten, Planeten und Raketen

01.06.2017

Hallo in die Runde,

Soviel zum Thema „mal noch ne halbe Stunde raus zum Mond“.
Beim Versuch, von kurz nach Sonnenuntergang an die Region um den Hadley Crater zu beobachten, musste ich feststellen, dass es wohl doch noch eine Nacht zu früh dafür ist.
Hoffentlich ist es morgen nicht schon wieder zu spät dafür und die Region liegt flach im Sonnenlicht.
Jedenfalls hat es mir der Mondterminator jetzt richtig angetan und ich jage ihn rauf und runter auf der Suche nach tollen Formationen und Schattenwürfen. Ich habe vorhin, etwa 00:15 Uhr, das Lunar X gesehen.
Noch interessanter fand ich vor ein paar Tagen den Krater Petavius mit der Rima Petavius und heute die Rillen Rima Hyginus und daneben die in der Verlängerung, Name vergessen. Irgendwas mit A., gähn.
Jupiter war relativ flau anzusehen, immerhin, das Spiel der Monde war ganz nett, weil Europa und Io eng beisammen standen.
Bei Saturn mehrmals kurz die cassinische Teilung aufblinken gesehen, später nicht mehr.

Die ISS konnte ich nochmal verfolgen, heute nun wesentlich besser, da ich schon den Polarisationsfilter wegen des Mondes drin hatte. Muss der Überflug um 23:02 Uhr gewesen sein.
Wesentlich einfacher, ihr hinterherzuschauen, also ab der Kulmination. Wieso, weiss ich nicht. Zuerst erschien sie mir wieder leicht rund, nach mehreren Blicken und Flügen durchs Blickfeld meine ich nun, die weitgehende Rechteckform erkannt zu haben. Wieder wie neulich die zwei grossen, hellen Solarflächen links und rechts, heute anders als neulich erschien mir die Mitte auch deutlich erleuchtet. Die ist so verflixt schnell.

Grüßen möchte ich noch die paar Mücken und die paar hundert Gnitzen, die versucht haben, mir die Schläfen zu perforieren.

CS,

Henning

Ein Anfänger -Einparken per Spiegel

26.05.2017

Kurz vor Mitternacht machte ich mich, noch von der vorherigen Nacht mit grenzwertiger Kühle und Feuchtigkeit gezeichnet, besser vorbereitet mit extra Klamotten und heissem Tee in den Garten auf. Ähnlich akribisch hatte ich mir ein Oktett an Messierobjekten rausgekramt, von denen ich einige schon beobachtet hatte, die ich aber nun nochmal in meiner offiziellen Sammelliste abhaken wollte. Dazu kamen noch zwei, drei spannende Extras mit für meine Fähigkeiten herausfordernder Schwierigkeit.
Selbst von aussen betrachtet hingen die Lichtschutzplanen wie ein dunkler Würfel auf der Wiese, im Nordwesten der Lichtstreif der Sonne unter dem Horizont, der mich Richtung Osten wandernd die ganze Nacht begleiten sollte. Milchstrasse war noch nicht richtig knackig.
In aller Ruhe wurde also Teleskop und Zubehör auf die Plattform gebracht und alles schön zurechtgerückt.

Dann ging es los, ich schaute kurz Richtung Bootes und vergewisserte mich, dass Komet Johnson auch dort, wo und wie vermutet, anzutreffen war.

An die Arbeit.
Meine Vorgehensweise sah vor, per Fernglas Suchersterne auszukundschaften und wenn möglich gleich zu den Objekten zu gelangen, immer mithilfe von Sternkarten. Zeit, eine fundierte Suchmethode einzuüben.
Zielregion Großer Wagen, begann ich bei Megrez und versuchte mich an Winnecke 4, oder Messier 40, einem Doppelstern. Erst im Teleskop erschienen die zwei etwa gleichhellen Sternchen und wie beim Blinking Nebula schien immer derjenige einen Halo zu bekommen, den ich gerade nicht ansah. An/Aus, Hin und Her. Lags an der Transparenz oder am Okular?
Über Alkor und Mizar zog mein Blick durch den Sucher, wobei ich an Mizar bemerkte, wie ausserordentlich gut das Seeing war. Die Sterne liessen sich hochvergrössert als feinste Punktlichtquellen sauber trennen, da hätte noch ein Kleinwagen zwischen parken können.
Hin zu Alkaid, etwas zurück und dann hoch, fand ich nach kurzer Zeit eine schemenhafte Galaxie, Messier 101, die Feuerradgalaxie. Mehr war nicht zu sehen, trotz einiger dort verbrachter Zeit. Einmal zu einem anderen Zeitpunkt hatte ich Spiralarme ausmachen können, heute war es noch zu hell dafür. Die Galaxie ist wirklich sehr schwach zu sehen.
Runter zu Messier 51, der Strudelglaxie, ebenso ein Wiederholungsbesuch. Ich fand sie bereits sicher im Fernglas und gönnte mir hier den Anblick für ein paar Minuten, Spiralrichtung erahnbar.
Neuland oder Neuraum von jetzt an. Logisch vorgehend ging es von den Sternkarten unterstützt weiter hinunter á la ein Stern, Doppelstern, noch ein Stern hin zu M63, der Sonnenblumengalaxie. Sie ist sehr hübsch, weil klein, relativ kompakt, aber fein gezeichnet. Mit einer feinsten Dreifachsterngruppe an der einen Seite und einem etwas helleren Stern auf der anderen.
Der folgende Sprung brachte mich zu Messier 94, einer Galaxie, die wir ziemlich steil von oben, oder von unten, sehen.
Die bewährte Methode kam zur Anwendung. Hin zum hellen Stern Chor Caroli, dann zu Chara. Etwas zurück zur Mitte, von dort hinauf und bald fand ich M94. Leider habe ich das Bild, das sich mir bot, vergessen. Dieses Abfahren vieler Objekte dient mir auch hauptsächlich dazu, mir überhaupt erstmal einen Überblick zu erarbeiten. Es wird den einzelnen Objekten nicht gerecht, die gebührende Aufmerksamkeit muss ich jedem Objekt dann später zukommen lassen.

Stern Phecda, die Ecke links unten am Kasten, wies mir den Weg zu Messier 109. Ich fand die bisher kleinste Galaxie der heutigen Nacht auch, war aber mit den umliegenden Sternmustern nicht zufrieden. Also suchte ich ein wenig hin und her und fand eine Art Zwilling dazu in geringer Entfernung. Welche war nun die richtige? Ich verbrachte ehrgeizige Minuten damit, meine Detailkarten mit dem sich mir bietenden Bild in Einklang zu bringen, mehrmals dachte ich zu wissen, welche der beiden M109 ist. Ich muss aber gestehen, dass ich sie letztlich als gesehen gekennzeichnet habe, obwohl ich mir nicht ganz sicher bin. Man muss auch mal zufrieden sein.

Weiter ging es zu Merak, der rechten, unteren Ecke des Wagenkastens. Ein Stern weiter grob Richtung Phecda und dann nocheinmal die gleiche Distanz, und vor mir schwebte Messier 108 im Raum, länglich und ziemlich gewaltig, helle und dunkle Regionen erschienen und verblassten, insgesamt erschien mir die Galaxie nicht sehr homogen, ungefähr vergleichbar mit der Zigarrengalaxie, wo ich auch immer den Eindruck habe, dass sie kein richtiges Zentrum hat.
Zu meinem letzten Messierobjekt hier im Großen Wagen gings direkt per Teleskop. Der Eulennebel, Messier 97, war unverkennbar. Sehr schön, rund, ein winziger Stern an seiner Seite, erschien er mir ähnlich flackernd wie M 108, vielleicht kann ich beim indirekten Sehen einfach das Auge nicht still genug halten.

Durchhalten, gleich gehts ab.

Wie erwähnt, hatte ich mir eine Herausforderung gestellt.
Was sollte es weniger sein als die Supernova 2017eaw in NGC6946.
Das fing damit an, dass ich das Sternbild Cepheus in der mittlerweile überkochenden Milchsupppe suchen musste. Da verstrich locker eine Viertelstunde, bis mir klar wurde, dass ich das ganze Sternbild falsch interpretiert hatte! Wie soll ich da eine Supernovafinden, ein Körnchen in einer schwachen Galaxie mittendrin im Sandstrand des Himmels?
Das tat ich folgendermaßen: Ich hatte mir Bilder angesehen und eine Skizze gemacht. Die Galaxie ist eingerahmt zwischen einem Dreisterneasterismus und einem Doppelstern. Doppelsternseitig gibt es bereits in der Galaxiefläche gelegen zwei kleine Doppelsterne, einer der beiden besteht zur Hälfte aus einer Supernova. Sie stehen ganz, ganz grob rechtwinklig zueinander, ähnlich epsilon Lyra. Wäre es der Buchstabe T, dann würde die Supernova das untere Ende markieren.
Der Buchstabe wäre ziemlich kursiv.
Eindeutig gefunden, kein Zweifel hier. Das allerdings überhaupt erst, nachdem ich Stern Alderamin und eta Ceph gefunden hatte. Ganz grob gepfuscht und dann ganz fein gezeigt, wo das Teleskop die Staubkörner hat. Ach, und NGC 6939, einen offenen Sternhaufen nebendran, habe ich natürlich vor lauter Sternen und Aufregung auch nicht gesehen.

Zum Beruhigen fuhr ich dann noch einmal den schönen Hantelnebel an und sah einiges mehr an Details, dann versuchte ich meine müden Augen an NGC 6765, ohne Filter nicht zu machen. Reine Theorie, denn ich habe noch nie durch einen UHC- oder OIII-Filter geschaut.

Mittlerweile war die ISS ich glaube dreimal über mir gewesen, weit heller als sonst, viel heller als Jupiter und eher weiss leuchtend, ich verkniff mir irgendwelche Experimente in Richtung Verfolgung per Teleskop und genoss den puren Anblick.

Jupiter hatte ich nicht einmal eines Fernglasblickes gewürdigt, aber Saturn war nun hoch genug im Süden, so dass ich mir endlich mal die cassinische Teilung einbilden konnte, recht weit draussen im Ring und nur blickweise, fast so, als ob sich ein dunkler Ringabschnitt geisterhaft kurz öffnen würde. Mein Blick kippte dann auch um und ich sah, dass Saturn verkehrtherum im Okular hing.

Das wars, 03:30Uhr, eine super Nacht, die Milchstrasse war mittlerweile im zunehmend hellen Himmel verschwunden.
Zeit, ins Bett zu gehen, krähte der Hahn irgendwo im Dorf.

Danke fürs Lesen und hoffentlich Mitfiebern.

Henning


Blinking Planetary im Zaun:
19.05.2017
Hallo,

wie das öfter passiert, begann der Abend vor der Haustür, mit Fernglas und Jupiter. Wolkenfetzen zogen durch den Himmel und ich erinnerte mich um 23:30 Uhr daran, dass der grosse rote Fleck zu sehen sein sollte. Also doch noch in den Garten, es traf sich gut, ich wollte sowieso eine neue Stelle zum Beobachten ausprobieren, mit Planen gegen Streulicht gewappnet. Jupiter wurde hell und dunkel, je nach Wolke, und den GRF konnte ich allenfalls kurz erahnen. Also wollte ich nochmal Richtung Messier 56 und Hantelnebel, sowie Messier 71 und NGC 6765 in der Nähe von Messier 56. Die hatte ich mir mit Ausnahme von NGC 6765 gestern angesehen. Ich fand alle Objekte wieder, nur NGC 6765 blieb mir verborgen. Da ich schonmal da war, gings noch zum Ringnebel und Epsilon Lyrae, die heute besser zu trennen gingen als gestern.
Messier 29 konnte ich heute verifizieren, der sieht ja wirklich wie ein Kühlturm aus. Weiter gings zu NGC 6811, dem Loch im Haufen. Gleich gefunden, das ist ja mal etwas offensichtliches.
Klar, dass es nun Richtung Blinking Planetary ging. An dem biss ich mir fast die Zähne aus, fand aber bald den schönen Doppelstern in dessen Nähe, da sind ja auch noch einige schwächere sowie ein Stern mit zwei schwachen Begleitern einem links und rechts. Da musste ich aber wieder etwas zurückschwenken. Jedenfalls flogen mir dann die Planen um die Ohren und ich schaute kurz auf, als ich etwas diffus-helles mit einem Lichtpunkt in der Mitte entdeckte. Was mich stutzig machte, das schien irgendwie zwischen den Obstbäumen zu hängen. Ich neigte mich hin und her, dachte, es ist vielleicht eine Reflexion, aber von was? Also ging ich los und sah es mir an. Es stellte sich als Heliumballon heraus, mit einer weissen Led im Innern. Hing im Zaun und bewegte sich im Wind. Was ich aber auch immer erlebe nachts, das ist doch skurril. Also zurück ans Okular und weiter gesucht, mal höher vergrössert und mal weniger, als ich einen Stern nicht mehr fokussiert bekam. Da hatte ich dann den echten Blinking Nebula vor mir, allein, blinken tat er nicht. Grünlich erschien er mir, ist das möglich? Einen Stern in der Mitte konnte ich nicht ausmachen, einfach nur ein grünlich anmutender relativ runder Fleck, vielleicht mit etwas Struktur, aber eher vergleichbar mit der Einfachheit des Ringnebels.
Leider konnte ich mir die Umgebung nicht nochml richtig einprägen, weil es sich dann zuzog.

Jedenfalls wieder eine besondere Nacht, wer rechnet denn mit sowas?

Gruss,

Henning

Ein Anfänger packt aus:

17.-18. Mai, 22:30-03:30 Uhr

8″ Dobson, 10×43 Fernglas

Was für eine Nacht!
Nachdem ich einem Freund abends noch mal eben ein paar Objekte im Fernglas gezeigt hatte und darüber locker eine Stunde verstrichen war, machte ich mich gut vorbereitet in den Garten auf, denn die Nacht versprach gut zu werden.
Hatten wir Jupiter und seine Monde noch unter der Strassenbeleuchtung beobachtet und spätestens bei h&chi Persei im noch hellen Osten das Ende der Fernglaskapazitäten erreicht, sollte es nun, kurz vor Mitternacht, so richtig los gehen.

Komet C/2015 V2 Johnsen wartete nochmal im Bootes auf mich und obwohl es dann auch irgendwann etwas an Reiz verliert, schaute ich ihn mir ein weiteres Mal an, denn bald ist er ja nicht mehr da. Diesmal sah ich definitiv, aber indirekt zwei Schweife, etwa rechtwinklig geöffnet.

Angestachelt von meiner gesehenen, aber nicht sicher bestimmten Edge-on-Galaxie im Sternbild Jungfrau hatte ich mich für diese Region vorbereitet, fand auch die Galaxie wieder, nur bestimmen konnte ich sie immer noch nicht. So richtig passte die Umgebung nicht zu den Kandidaten in meinen Karten.
Na, die wird ja mir ja noch ein paar Jahrzehnte zur Verfügung stehen. Nach einigem Rumgejage gab ich die Virgoregion erstmal auf, bis auf weiteres.

Epsilon Lyrae wartete darauf, nochmal angefahren zu werden und das wurde er (wurden sie) dann auch, wobei ich bemerkte, dass das Seeing doch nicht so ganz perfekt war, obwohl ich mich beim Blick zur Milchstrasse am liebsten am Beckenrand festgehalten hätte, wie damals beim Schwimmkurs.

Dennoch stürzte ich mich die Tiefe verachtend zu Albireo, heute nur ungewürdigt hastig gesucht als Wegmarke zu M56, einem Kugelsternhaufen, den ich noch nicht hatte.
Hab ich jetzt.

Da schwante es mir, hier gab es noch eine offene Rechnung. Ich schubste runter zum Pfeil, kurzer Schwenk, ob ich richtig war, und vorsichtig gings von gamma Sagitta zurück Richtung Albireo, mit leichtem Linksdrall. Und da war er, endlich, zum ersten Mal wie hatte ich den nur übersehen könnnen:
Der Hantelnebel, ein fettes, graues Teil, soviel präsenter als der Ringnebel in der Leier. Da saß er also, wie ein abgegessener Apfel, und ich äugte um ihn herum, bis ich der Meinung war, dass es reicht.

Gegen mittlerweile 02:10 Uhr fand ich M71 im Pfeil, der Kugelsternhaufen erschien mir eher wie ein Dreieck, weshalb ich zunächst nicht sicher war, ob er es ist. Ist er aber.

M29 versucht, aber in der Ecke waren einfach zu viele Sterne, ich denke, ich habe ihn gesehen, dennoch, klar bestimmen konnte ich ihn nicht.

Ich muss dann kurz vom Teleskop aufgeschaut haben, als mir im Augenwinkel etwas sehr helles erschien. Das musste die ISS sein, klarer Fall. Bekloppt, wie man ist, riss ich das Teleskop herum und knallte mir den Sucher vor die Brille. Fand die ISS, die letze Sicherung flog mir raus und ich schaute durchs Okular, bei ca. 50x, leider ja ohne Graufilter. Unglaublich, ich kriegte sie zu packen und schlenkerte ihr hastig hinterher, wild fokussierend, rein ins Blickfeld, wieder raus, unscharf, scharf, verloren, Sucher, zack, nix, wieder Sucher, dann Okular, nochmal eingefangen, wieder verloren. So fünfmal deke ich, konnte ich sie mit Unterbrechungen im Okular halten, und obwohl überblendet, meine ich Strukturen erkannt zu haben. Mir bot sich ein relativ rundes Bild, ja, ich meine die ISS, links und rechts begrenzt durch blendend helle Punkte und in der Mitte eben etwas kreuzförmiges, vielleicht auch eine H-Form. Besser gings nicht. Ich endete mit einem Bein in der Luft, den Stuhl auf Kipp balancierend, mit meiner einäugigen Velours-Skibrille im Gesicht, als die ISS errötend am Horizont verschwand. Vielleicht habe ich irgendwas mit Filter geschrien oder es war ein lauter Wunschgedanke, jedenfalls konnte ich den Gedanken daran, von Deep Sky zur spontanen ISS Beobachtung an einen Filter zu kommen, noch eine Weile nicht loslassen. Richtung Horizont, weniger hell, wurde sie leider auch schnell zu klein, um noch irgendwelche Details zu offenbaren und verschwand marsgleich gegen 2:29 Uhr im Dunst über dem Wald. Yeah!

Zeit für ruhigere Objekte. Komet Johnson war nun bereits weit im Südwesten und nicht mehr sehr präsent, denn der aufkommende Mond hellte den Himmel zu sehr auf. Warum also nicht gleich hinschwenken und sehen, was da so geht.
Viel Gewabere so horizontnah, da aber nun einmal der Polarisationfilter drin war, konnte ich ebensogut kurz zu Saturn rüber. Ich freute ich, ihn nach so langer Zeit erstmals wieder zu sehen. Der mit seiner blöden Frühschicht. Die Ringe konnte ich cassinisch nicht teilen, dafür kam mir die Frage, ob die nahebei stehenden Sternchen vielleicht Monde von Saturn sind.
Das bedarf noch der Recherche. Schön, aber seeingbedingt nicht sehr scharf. Oder ist es mein Teleskop?

Zurück zum Mond, denn ich hatte mir vorgenommen, die Landestelle von Apollo 15 zu beobachten, genauer die Hadley-Rille und den Hadley-Krater. Leider ging mein Plan nicht ganz auf. Zwar verbesserte sich das Bild, je höher der Mond stieg, leider war der Mondterminator aber bereits zu weit fortgeschritten und mir kam der Gedanke, dass eine Beobachtung der Region vielleicht besser bei zunehmendem Mond gelingt. Dabei hatte ich zunehmend mit angestrengten Augen zu kämpfen und Reflexionen, die ich immer erleide, wenn ich sehr helle, flächige Objekte beobachte. Damit meine ich natürlich den Mond.

Es wurde zunehmend heller draussen, diehellte den Nordhorizont auf, die Vögel versuchten noch lauter zu werden, als sie es sowieso schon die ganze Nacht gewesen waren.

Mein Fernglassessel hatte Taufeuchte gesammelt, nur kurz zwischendrin hatte ich ein bisschen darin gesessen und mir h&Chi in voller Pracht angesehen, ebenso den Granatstern und ein wenig Milchstrasse. Nördlich von Deneb habe ich einen wunderschönen Doppelstern gefunden, ähnlich Albireo, aber schon bei 10x so schön wie Albireo bei ca. 120x und mit einem kleinen Begleiter beim hellblauen Stern (Stimmt meine Erinnerung?).

Es wurde Zeit, einzupacken. Ich trug den Kram die 20 Meter ins Zelt, nahm den Rest mit ins Haus und ergänzte noch meine Notizen, so dass ich gegen 04:00 Uhr sternensatt ins Bett taumelte.

Meine neuen Sternkarten erwiesen sich als sehr hilfreich, Vorbereitung ist immer gut. Der Wecker erinnerte mich an den Mond, als ich schon lange meine Blicke über die Mondberge schweifen liess, in sehr lauer Morgenluft.

M13, Capella, Bode’s- und die Zigarrengalaxie per Fernglas sollen auch nicht unerwähnt bleiben.

Danke fürs Durchlesen!

Henning

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